27 March 2026, 14:01

Wie Misstrauen in die Demokratie die AfD stärkt – und warum Gegenstrategien scheitern

Sauberes wei├čer Hintergrund mit zentrierter fetter schwarzer Schrift, die "Sozialdemokratische Partei Deutschlands" eingekreist von einem schmalen schwarzen Rand.

Wie Misstrauen in die Demokratie die AfD stärkt – und warum Gegenstrategien scheitern

Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, warum Misstrauen gegenüber der Demokratie den Aufstieg rechtsextremer Bewegungen befeuert. In seinem jüngsten Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie Skepsis gegenüber staatlichen Institutionen, Medien und Wissenschaft Wähler in die Arme von Parteien wie der Alternative für Deutschland (AfD) treibt. Seine Forschung zeigt, warum traditionelle politische Strategien diesen Trend oft nicht aufhalten können.

Die AfD startete 2013 als euroskeptische, wirtschaftsliberale Partei. Ab 2015–2016 vollzog sie jedoch eine radikale Wende nach rechts und konzentrierte sich auf anti-migrantische Politik, Nationalismus und kulturellen Konservatismus. Die Partei inszenierte sich als Stimme der "Entrechteten" und griff die "Lügenpresse" sowie die politische Elite an. Über soziale Medien und direkte Rhetorik nutzte sie das Misstrauen gegenüber der Regierungsarbeit in den Bereichen Migration, COVID-19 und Klimapolitik aus. Ihre Unterstützung wuchs stetig – auf 12,6 Prozent bei der Bundestagswahl 2017 und auf 20–30 Prozent bei Landtagswahlen in ostdeutschen Bundesländern bis 2024–2025.

El-Mafaalani argumentiert, dass misstrauische Menschen eher denen vertrauen, die ihre Skepsis teilen. Digitale Medien haben es diesen Gruppen ermöglicht, sich zu vernetzen und zu organisieren – es entstehen, wie er es nennt, "Gemeinschaften des Misstrauens". Sobald diese Wähler Parteien wie die AfD unterstützen, hinterfragen sie ihre Haltung kaum noch – selbst wenn die Partei keine Ergebnisse liefert. Seine Analyse legt nahe, dass populistische Strategen gezielt das Vertrauen in Institutionen untergraben und es so immer schwieriger machen, diesen Trend umzukehren.

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Peter Unfried, Chefredakteur des Magazins FUTURZWEI, hat die Frage aufgeworfen, wie dieser wachsenden Herausforderung zu begegnen ist. El-Mafaalanis Arbeit deutet darauf hin, dass es nicht ausreicht, die Inkompetenz oder Widersprüche der AfD bloßzustellen, um das Vertrauen in die Demokratie wiederherzustellen. Stattdessen könnte ein tieferes Verständnis der Dynamiken des Misstrauens der Schlüssel sein, um wirksamere Gegenstrategien zu entwickeln.

Der Aufstieg der AfD spiegelt eine breitere Erosion des Vertrauens in demokratische Institutionen wider. El-Mafaalanis Erkenntnisse zeigen, dass Misstrauen, einmal verankert, sich selbst verstärkt. Seine Forschung unterstreicht die Notwendigkeit neuer Ansätze, um Wähler zu erreichen, die sich von der etablierten Politik abgewandt fühlen.

Quelle