Kaufkraft in Deutschland: Warum wir heute weniger für Fernseher und Anzüge arbeiten müssen
Amelie KrausKaufkraft in Deutschland: Warum wir heute weniger für Fernseher und Anzüge arbeiten müssen
Deutsche müssen heute deutlich weniger arbeiten, um sich Alltagsgüter leisten zu können als noch in den frühen 1990er-Jahren. Während die Löhne stetig gestiegen sind, erfordert der Kauf einiger Produkte heute etwas mehr Arbeitszeit. Eine aktuelle Studie zeigt, wie sich die Kaufkraft in den vergangenen drei Jahrzehnten entwickelt hat – mit sowohl Fortschritten als auch Rückschlägen bei der Bezahlbarkeit.
1991 lag der durchschnittliche Netto-Stundenlohn in Deutschland bei umgerechnet 10,21 Euro. Bis 2026 stieg dieser Wert auf 25,56 Euro an. Diese Entwicklung machte viele Güter deutlich erschwinglicher.
Ein einfacher Fernseher kostete 1991 noch über 78 Arbeitsstunden – heute ist ein moderner Smart-TV mit weit mehr Funktionen bereits nach 19,5 Stunden bezahlt. Auch ein Herrenanzug erfordert heute fast 11 Stunden weniger Arbeit als vor 30 Jahren. Selbst ein Kühlschrank, für den man früher 17 Stunden länger arbeiten musste, ist heute günstiger zu haben.
Doch nicht alle Produkte sind günstiger geworden. Ein Zeitungsabo schlägt heute mit 53 Minuten mehr Arbeitszeit zu Buche als 1991. Eine Damenfrisur kostet 8 Minuten mehr, und für 200 Kilowattstunden Strom muss man 12 Minuten länger arbeiten.
Insgesamt zeigt sich über den Großteil des Zeitraums eine stetige Steigerung der Kaufkraft. Die Inflation blieb mit durchschnittlich 2 Prozent pro Jahr (1991–2026) moderat, sodass die Löhne stärker stiegen als die Preise. In jüngster Zeit gab es jedoch reale Verluste. Zwischen 2020 und 2025 stiegen die Medianeinkommen zwar um 11,2 Prozent, doch die Preise zogen noch stärker an. Besonders Energie- und Lebensmittelkosten explodierten – bedingt durch den Ukraine-Krieg und die Folgen der Corona-Pandemie. 2025 lag die Inflationsrate in Deutschland bei 2,5 Prozent, im Euroraum-Durchschnitt. Die Auswirkungen auf die Haushaltsbudgets fielen jedoch unterschiedlich aus.
Die Studie zeichnet ein gemischtes Bild für deutsche Verbraucher: Viele Güter sind heute mit deutlich weniger Arbeitsaufwand zu erwerben – ein Ergebnis jahrzehntelangen Lohnwachstums. Gleichzeitig haben Preissteigerungen bei Energie und Grundgütern einen Teil dieser Gewinne wieder zunichtegemacht. Die Folge ist eine komplexe Lage, in der die Erschwinglichkeit stark vom jeweiligen Produkt – und vom Jahr – abhängt.






