ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann das die Quoten retten?
Die ARD testet eine längere Version der Tagesschau
Der öffentliche Rundfunksender ARD experimentiert mit einer verlängerten Ausgabe seines Flagsiff-Formats Tagesschau. Der Versuch startet am Montagabend um 20:15 Uhr mit einer 30-minütigen Sendung – doppelt so lang wie gewohnt. Die Zuschauer erhalten damit ein erweitertes Format, das globale Ereignisse mit persönlicher Relevanz verknüpfen soll.
Doch das Vorhaben sorgt bereits jetzt für Diskussionen unter Medienkritikern und Branchenbeobachtern.
Hintergrund des Tests sind sinkende Einschaltquoten der klassischen Tagesschau in den vergangenen fünf Jahren. Zwischen 2021 und 2026 fiel die Zuschauerzahl in der Gesamtbevölkerung (ab 3 Jahren) von 18–20 Prozent auf nur noch 12–14 Prozent. Noch deutlicher war der Rückgang in der Altersgruppe der 30- bis 59-Jährigen: Hier sank die Quote von etwa 15 auf unter 10 Prozent. Als Gründe für diesen Trend gelten vor allem Streaming-Dienste und Online-Nachrichten.
ARD-Programmdirektor Jörg Schönenborn begründet die Verlängerung damit, dass so große Nachrichten mit dem Alltag der Zuschauer verbunden werden könnten. Das neue Format solle eine Brücke zwischen globalen Entwicklungen und persönlicher Erfahrung schlagen. Der Sender hofft, auf diese Weise Vertrauen in die Medien zu stärken und verlorene Zuschauer zurückzugewinnen.
Doch nicht alle sind überzeugt. Aurelie von Blazekovic, Journalistin bei der Süddeutschen Zeitung, bezeichnete den Plan als fragwürdigen Versuch, die Zuschauer für sich zu gewinnen. Michael Hanfeld, Medienredakteur der FAZ, hielt dagegen, dass 15 Minuten für Nachrichten ausreichten, und warnte vor Störungen im ARD-Abendprogramm. Anna Mayr von der Zeit sah das Problem woanders: Nicht die Länge, sondern die Qualität sei entscheidend – und um wirklich besser zu werden, müsste die Sendung deutlich länger sein.
Laut Schönenborn handelt es sich nicht um einen einmaligen Test. Eine endgültige Entscheidung über die Beibehaltung des 30-Minuten-Formats steht jedoch noch aus, da die internen Prozesse der ARD zeitaufwendig sind. Vorerst müssen die Zuschauer abwägen, ob sie die Vorteile einer vertieften Berichterstattung gegen den höheren Zeitaufwand eintauschen möchten.
Die verlängerte Tagesschau bietet den Zuschauern eine ausführlichere Behandlung der Themen und ein stärkeres Gefühl der Repräsentation. Dafür verlangt sie ihnen mehr Zeit ab. Ob der Versuch die Quoten wieder steigen lässt – oder sogar zu einer dauerhaften Lösung wird – hängt von der Resonanz des Publikums und der späteren Bewertung durch die ARD ab.






