Hilfsorganisationen warnen: Humanitäre Hilfe wird zu politisch eingesetzt
Amelie LangHilfsorganisationen warnen: Humanitäre Hilfe wird zu politisch eingesetzt
Gemeinsamer Bericht von Welthungerhilfe und Terre des Hommes: Hilfe wird zu politisch
Ein gemeinsamer Bericht der Hilfsorganisationen Welthungerhilfe und Terre des Hommes warnt davor, dass humanitäre Hilfe zunehmend politisiert wird. Die NGOs betonen, dass dadurch die grundlegenden Prinzipien der Neutralität, Unabhängigkeit und bedarfsorientierten Unterstützung gefährdet seien. Sie fordern dringende Reformen in der deutschen Entwicklungspolitik.
Mathias Mogge (Welthungerhilfe) und Joshua Hofert (Terre des Hommes), die Generalsekretäre der beiden Organisationen, äußerten Besorgnis über wachsende politische Einflüsse auf die Entwicklungszusammenarbeit. Kriege, Krisen und der Klimawandel stellten die Politik vor immer größere Herausforderungen. Notwendig sei ein Umdenken – weg von kurzfristigen Reaktionen, hin zu langfristiger Prävention.
Die NGOs begrüßten zwar aktuelle Änderungen in der Entwicklungspolitik, kritisierten jedoch das Fehlen einer klaren Strategie. Die Reformpläne von Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan seien unvollständig, hieß es. Zudem müsse Deutschland eigene Interessen stärker mit denen der Partnerländer in Einklang bringen.
Der Bericht fordert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) auf, zivilgesellschaftliche Akteure stärker in die Gestaltung der Reformen einzubinden. Joshua Hofert betonte, der Prozess dürfe kein „von Berlin aus gesteuertes Verwaltungsprojekt“ sein. Lokale Gruppen, Partnerländer und junge Menschen müssten von Anfang an verbindlich einbezogen werden.
Ein weiteres zentrales Thema ist die Finanzierung. Die Organisationen fordern, den Etat für humanitäre Hilfe im nächsten Bundeshaushalt von einer auf 2,8 Milliarden Euro zu erhöhen. Mathias Mogge ergänzte, es gehe nicht nur um die Höhe der Mittel, sondern um Qualität statt Quantität: weniger Bürokratie und mehr Autonomie für die Zivilgesellschaft.
Die NGOs warnen davor, dass Deutschland seine Anstrengungen nicht verringern dürfe, obwohl der globale Bedarf steige. Gefordert werden inklusivere Reformen und höhere Mittel. Der Bericht unterstreicht die Notwendigkeit, die Grundprinzipien der Hilfe zu wahren – bei gleichzeitiger Anpassung an neue Herausforderungen.
