21 March 2026, 20:01

Garnisonkirche Potsdam: Wiederaufbau zwischen preußischem Erbe und NS-Erinnerung

Alte Fotografie eines Kuppelgebäudes mit der Beschriftung "Potsdam Mausoleum Kaiser Friedrich III" umgeben von Bäumen und Wasser.

In der Garnisonkirche: Gedenkfeier zum 'Tag von Potsdam' - Garnisonkirche Potsdam: Wiederaufbau zwischen preußischem Erbe und NS-Erinnerung

Die Potsdamer Garnisonkirche, einst ein Symbol preußischer Militärmacht, wird nach Jahrzehnten der Kontroverse langsam wiederaufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1968 von den DDR-Behörden abgerissen, hat ihre Rekonstruktion die Debatten über ihr historisches Erbe neu entfacht. Befürworter sehen in ihr einen zentralen Teil des preußischen Kulturerbes, während Kritiker auf ihre düsteren Verbindungen zur NS-Zeit verweisen.

Die ursprüngliche Kirche wurde 1945 bei alliierten Bombenangriffen schwer beschädigt. Jahre lang dienten ihre Ruinen als provisorische Kapelle, bis die DDR-Führung unter Walter Ulbricht 1968 ihren vollständigen Abriss anordnete. Die Bemühungen um den Wiederaufbau gewannen in den 2000er-Jahren an Fahrt, als Wolfgang Huber, damals Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), 2004 ihre Wiederherstellung vorantrieb.

Das Projekt sah sich immer wieder Verzögerungen ausgesetzt, zuletzt durch witterungsbedingte Rückschläge. Die Arbeiten an der Kuppel des Turms sollen nun nach Ostern 2026 beginnen. Doch die Geschichte der Kirche bleibt tief gespalten. Am 21. März 1933 – dem sogenannten Tag von Potsdam – war das Gebäude Schauplatz einer inszenierten Zeremonie, bei der Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg sich öffentlich die Hände reichten. Dieses Bild wurde zu einem mächtigen Symbol für die Machtübernahme der Nationalsozialisten.

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Jährlich findet am Ort eine Gedenkveranstaltung zum Tag von Potsdam statt, der als letzter Schritt von der Weimarer Republik in die Diktatur gilt. Linke Gruppen argumentieren, der Wiederaufbau verherrliche einen Ort, der mit Militarismus und NS-Kollaboration verbunden sei. Konservative Stimmen hingegen verteidigen die Rekonstruktion als Bewahrung preußischer Geschichte und architektonischen Erbes.

Mit den anstehenden Arbeiten am markanten Turm beginnt bald eine neue Phase der Teilrestaurierung der Garnisonkirche. Doch die Debatte über ihre Bedeutung hält an. Für die einen bleibt sie eine schmerzhafte Erinnerung an NS-Propaganda und preußischen Militarismus. Für andere steht sie für ein verlorenes Stück kultureller Identität, das nun behutsam wiederersteht.

Quelle