EZB kämpft gegen Rekord-Ölpreise: Lagardes Dreistufenplan gegen den Energieschock
Ella HuberEZB kämpft gegen Rekord-Ölpreise: Lagardes Dreistufenplan gegen den Energieschock
EZB steht unter neuem Druck: Ölpreise übersteigen Rekordwerte von 2022
Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht sich wachsendem Druck ausgesetzt, nachdem die Ölpreise aufgrund des Iran-Kriegs und der Blockade der Straße von Hormus die Höchststände von 2022 überschritten haben. Die Nordsee-Ölsorte Brent kletterte auf 107 bis 120 US-Dollar pro Fass – ein Anstieg von 60 Prozent seit Ende Februar 2026 und damit deutlich über den früheren Prognosen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat nun eine dreistufige Strategie vorgestellt, um den Energieschock und seine wirtschaftlichen Folgen zu bewältigen.
Die Ölpreise waren bereits nach Russlands Invasion in der Ukraine im Februar 2022 auf über 100 bis 110 Dollar pro Fass gestiegen, bevor sie wieder sanken. Doch die Eskalation des Iran-Konflikts Ende Februar 2026 trieb die Preise erneut in die Höhe und über die bisherigen Spitzenwerte hinaus. Die aktuellen Notierungen entsprechen dem worst-case-Szenario der EZB, bei dem die Rohölkosten nahe dem 95. Perzentil der erwarteten Verteilung liegen.
Auf einer Konferenz der EZB in Frankfurt erläuterte Lagarde ihren Ansatz: Erstens werde die Bank einen kurzfristigen, begrenzten Energieschock ignorieren, da politische Anpassungen ohnehin zu spät kämen, um noch Wirkung zu zeigen. Zweitens folge bei einer deutlichen, aber vorübergehenden Überschreitung des Inflationsziels eine vorsichtige Kurskorrektur, um Fehlsignale zu vermeiden. Drittens greife bei anhaltenden Inflationsrisiken und der Gefahr einer Verfestigung der Preiserwartungen eine entschlossene und nachhaltige Reaktion.
EZB-Chefvolkswirt Philip Lane verglich die Entscheidungsfindung der Bank mit einem Probit-Modell, das bei jeder Sitzung Handeln gegen Nicht-Handeln abwägt. Einige Analysten fordern hingegen, die EZB solle ein geordnetes Probit-Modell anwenden, um besser zu bewerten, ob die Lage lediglich schlecht, kritisch oder gar existenzbedrohend ist.
Im ungünstigsten Szenario – das nun der Marktrealität am nächsten kommt – würde die Wirtschaft der Eurozone im Rest des Jahres 2026 stagnieren und sich erst Ende 2028 langsam erholen. Die Inflation würde voraussichtlich bei knapp 4 Prozent ihren Höhepunkt erreichen, bevor sie stark zurückginge. In einem schweren Fall könnte ein tieferer Energieschock eine leichte Rezession auslösen, wobei sowohl die Gesamt- als auch die Kerninflation über zwei Jahre hinweg erhöht bliebe.
Die Basisszenarien der EZB gehen davon aus, dass die Leitzinsen in der Nähe des aktuellen Niveaus von etwa 2 Prozent verharren. Angesichts der deutlich höheren Ölpreise als bisher prognostiziert, suchen G7- und EU-Vertreter nun jedoch nach Gegenmaßnahmen.
Die Strategie der EZB hängt von Dauer und Schwere des Ölpreisschocks ab. Sollten die Preise auf dem aktuellen hohen Niveau verbleiben, könnte die Inflation hartnäckig über dem Zielwert liegen und die Notenbank zu stärkeren Eingriffen zwingen. Die nächsten Schritte der EZB werden davon abhängen, ob sich die Krise stabilisiert – oder die Wirtschaft in einen längeren Abschwung treibt.






