Bremens Gefängnisse am Limit: Rekordüberbelegung trotz Notmaßnahmen
Bremens Gefängniswesen kämpft mit massiver Überbelegung – Häftlingszahlen erreichen fast Rekordwerte
In Bremens Justizvollzugsanstalten spitzt sich die Lage dramatisch zu: Die Zahl der Inhaftierten nähert sich Rekordhöhen. Stand Dienstag saßen 747 Gefangene ein – nur vier weniger als im November 2025, als die Krise erstmals eskalierte. Trotz anhaltender Platznot hat die Behörde nun wieder die Aufnahme von Häftlingen mit Ersatzfreiheitsstrafen ermöglicht.
Die Überbelegung erreichte im November 2025 einen kritischen Punkt, als die Einrichtung ihre sichere Kapazitätsgrenze überschritt. Damals wurden Einzelzellen doppelt belegt, und die Justizbehörde setzte die Vollstreckung von Ersatzfreiheitsstrafen aus, um die Situation zu entlasten. Die ursprünglich bis Februar befristete Aussetzung wurde wegen anhaltender Überlastung bis Anfang Mai verlängert.
Doch bis zum 1. März 2026 verschärfte sich die Lage weiter: 48 Häftlinge teilten sich Einzelzellen, 21 saßen in Doppelzellen zu dritt, und 24 waren in Doppelzellen zu viert untergebracht. Die offizielle Kapazität der Anlage beträgt 717 Plätze, doch bereits bei 90 Prozent Auslastung – also 645 Inhaftierten – gilt sie als überbelegt.
Um die Not zu lindern, beginnen Mitarbeiter damit, in weiteren Einzelzellen Stockbetten zu installieren. Reichen die Gemeinschaftsunterkünfte nicht aus, könnten auch Funktionsräume und hochgesicherte Zellen umgenutzt werden. Der Senat rechnet damit, dass die Häftlingszahl bis Ende 2026 auf 750 steigen wird.
Am Montag hob die Justizbehörde das Moratorium für Ersatzfreiheitsstrafen auf. Noch am selben Tag wurde der erste Häftling nach dieser Regelung aufgenommen – ein Zeichen für die Rückkehr zum Normalbetrieb, obwohl die Raumknappheit weiterhin besteht.
Die Anlage steht weiterhin unter enormem Druck: Die aktuellen Zahlen liegen bereits nahe an der für Ende 2026 prognostizierten Spitzenbelastung von 750 Häftlingen. Die Behörden setzen weiterhin auf provisorische Lösungen wie Stockbetten und umfunktionierte Zellen, um den wachsenden Andrang zu bewältigen. Die Wiederzulassung von Ersatzfreiheitsstrafen deutet darauf hin, dass es vorerst keine nachhaltige Entlastung gibt.






