AfD zerrissen: Machtkampf um Außenpolitik spaltet die Partei tief
Ein erbitterter innerparteilicher Streit über die Außenpolitik erschüttert die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD). Die Auseinandersetzung spaltet die Partei in zwei Lager: auf der einen Seite Befürworter einer engeren Anbindung an die USA, auf der anderen eine Fraktion, die den Abzug amerikanischer Truppen aus Deutschland fordert. Die Spannungen haben sich zugespitzt, seit führende Köpfe offen über die künftige Ausrichtung der AfD streiten.
Im Mittelpunkt des Konflikts steht Rüdiger Lucassen, der verteidigungspolitische Sprecher der AfD, der dem als prorussisch geltenden Flügel um Björn Höcke vorwirft, ihn aus seiner Position verdrängen zu wollen. Der Streit offenbart tiefe Gräben in Fragen der NATO, der Haltung zu Russland und den Beziehungen Deutschlands zu Washington.
Die öffentliche Zerrissenheit wurde deutlich, als Lucassen Höckes prorussische Haltung scharf verurteilte. Während Lucassen Moskau als größte Bedrohung für die östliche NATO-Flanke betrachtet, steht er damit in direktem Widerspruch zu Höckes Position. Die Kritik verschärfte sich, nachdem Höcke behauptet hatte, Deutschland in seiner heutigen Form sei "nicht verteidigenswert" – eine Äußerung, die Lucassen dazu veranlasste, sich vollständig von Höcke zu distanzieren.
Ein weiterer Eskalationspunkt war ein von Hannes Gnauck, einem weiteren Verteidigungsexperten der AfD, entworfener Pressetext, der im Iran-Konflikt die USA unterstützte. Die Veröffentlichung wurde jedoch von den Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla blockiert – ein Zeichen dafür, dass die Parteiführung trotz der traditionellen Sympathien der AfD für Donald Trump eine klar proamerikanische Linie scheut. Weidel hatte bereits im Mai 2025 den Trump-Verbündeten Viktor Orbán geehrt und damit die inhaltliche Nähe der AfD zu dessen Politik unterstrichen.
Auch Maximilian Krah, AfD-Abgeordneter im Bundestag, hat sich von der Parteilinie abgesetzt. Er widersprach Chrupallas Forderung nach einem Abzug der US-Truppen und betonte, Deutschland brauche "starke Partner". Krah warnte zudem, die radikalen Positionen der Partei – darunter die Verbindungen zu Martin Sellners umstrittenem "Remigrations"-Plan – hätten einen politischen Quarantäne-Effekt ausgelöst und eine Zusammenarbeit mit demokratischen Parteien unmöglich gemacht.
Die Parteiführung tut sich indes schwer, sich von Sellners Vorhaben zu distanzieren. Chrupalla, bekannt für seine ablehnende Haltung gegenüber militärischer Einmischung, hat seit Trumps Wiederwahl 2024 keine Kurskorrektur vorgenommen. Seine Rhetorik erinnert oft an Trumps "America First"-Doktrin, doch konkrete politische Konsequenzen blieben aus.
Der außenpolitische Richtungsstreit in der AfD zeigt keine Anzeichen einer Beruhigung. Während Lucassen unter dem Druck von Höckes Flügel steht, drängen Figuren wie Krah und Gnauck auf eine stärker USA-freundliche Ausrichtung. Da die Parteispitze klare Entscheidungen vermeidet, droht der interne Konflikt die Geschlossenheit der AfD weiter zu untergraben.
Die Verbindung zu Sellners "Remigrations"-Plan und das Scheitern, diese Spannungen zu überwinden, haben die AfD in der deutschen Politik zunehmend isoliert.






