Wiener Festwochen 2024: Liddells provokantes Mishima-Drama polarisiert mit rituellem Tod
Amelie KrausWiener Festwochen 2024: Liddells provokantes Mishima-Drama polarisiert mit rituellem Tod
Die Wiener Festwochen 2024 präsentieren in diesem Jahr mutige und provokante Aufführungen. Zu den Highlights zählt das neue Werk von Angélica Liddell, „Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben“, das im Volkstheater uraufgeführt wurde. Das Festival setzt sich zudem in anderen Produktionen wie „Mythen des Alltags“ und „Pfingstspiel“ von Florentina Holzinger mit den Themen Leben, Tod und Makabres auseinander.
Liddells Performance ist stark vom Leben und Sterben des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima geprägt. Mishima inszenierte und beging bekanntlich Seppuku, eine rituelle Form des Suizids – ein Akt, der Liddells Werk tiefgreifend beeinflusste. Die Vorstellung verarbeitet auch ihre eigene Erfahrung, als sie Anfang dieses Jahres in Madrid den Suizid einer Frau miterlebte.
Auf der Bühne trägt Liddell Kleidungsstücke Verstorbener, um deren Geschichten lebendig werden zu lassen. Die Inszenierung verbindet Elemente des Nō-Theaters mit westlicher Performance-Kunst und beinhaltet eine eindrucksvolle Szene, in der Blut verspritzt. Zudem setzt sich das Stück mit der Rechtfertigung des Suizids auseinander und bietet Momente schwarzhumoriger Komik. Die rund zweistündige Aufführung wird von einigen Kritikern als gelegentlich zu lang empfunden.
Die Produktion stellt einen bedeutenden Beitrag zum diesjährigen Festivalprogramm dar. Sie reiht sich ein in andere zum Nachdenken anregende Werke, die das Publikum mit ihrer Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit herausfordern. Mit seinem Programm 2024 bleibt das Festival weiterhin an der künstlerischen Avantgarde.






