Villeroy & Boch korrigiert Prognose 2026 wegen Nahost-Krise drastisch nach unten
Amelie KrausIranischer Krieg trübt Ausblick für Villeroy & Boch - Villeroy & Boch korrigiert Prognose 2026 wegen Nahost-Krise drastisch nach unten
Villeroy & Boch senkt Prognose für 2026 – Mittelostkonflikt belastet Geschäfte
Der Keramikhersteller Villeroy & Boch hat seine Finanzprognose für 2026 deutlich nach unten korrigiert und macht die eskalierende Krise im Nahen Osten dafür verantwortlich. Nach Monaten zunehmender Gewalt in der Region rechnet das Unternehmen nun mit rückläufigen Umsätzen und Gewinnen, da wichtige Absatzmärkte beeinträchtigt sind.
Ursprünglich hatte Villeroy & Boch mit besseren Ergebnissen gerechnet, doch der Krieg im Golfraum führte zu massiven Einbrüchen in Israel und den Nachbarstaaten. Die Verkaufszahlen in diesen Ländern brachen ein, was die Prognose zwangsläufig verschlechterte.
Noch im Jahr 2025 hatte das Unternehmen einen Umsatzanstieg von 1,8 Prozent auf rund 1,45 Milliarden Euro verzeichnet. Der Nettogewinn kletterte deutlich von 6,6 Millionen Euro im Vorjahr auf 14,7 Millionen Euro. Zudem investierte Villeroy & Boch 45,8 Millionen Euro, unter anderem in die Modernisierung der Standorte Merzig und Torgau mit neuen Lagersystemen und Brenntechnologien. Gleichzeitig bereitete das Unternehmen die Schließung seines Werks im belgischen Roeselare vor, um die Produktion zu straffen.
Doch zu Beginn des Jahres 2026 verschärfte sich die Lage dramatisch: Nach einer kurzen Waffenruhe im Gazastreifen im Oktober 2025 flammten die Kämpfe wieder auf, gefolgt von einer vollen militärischen Konfrontation zwischen den USA, Israel und dem Iran ab Juni 2025. Die Eskalation – mit über 7.600 israelischen Luftangriffen bis März 2026, gezielten Tötungen von Führungspersonen und regionalen Blockaden – unterbrach Lieferketten massiv. Villeroy & Boch erzielt in Israel und den Golfstaaten, die für die Sparten Hotellerie und Gastronomie von zentraler Bedeutung sind, inzwischen keine Umsätze mehr. Für April werden in diesen Regionen nur noch 30 Prozent des Vorjahresniveaus erwartet.
Vor diesem Hintergrund geht das Unternehmen nun von einem Rückgang des Umsatzes um mittlere bis hohe einstellige Prozentwerte aus. Das bereinigte EBIT wird auf 75 bis 85 Millionen Euro geschätzt – ein deutlicher Rückgang gegenüber den 97,8 Millionen Euro im Jahr 2025. Die angepasste Prognose spiegelt sowohl den Zusammenbruch der Verkäufe in den Krisengebieten als auch die allgemeine wirtschaftliche Instabilität in der Region wider.
Die aktuelle Einschätzung steht in scharfem Kontrast zu den Ergebnissen von 2025, als sowohl Umsatz als auch Gewinn stiegen. Da kein Ende des Konflikts absehbar ist, muss Villeroy & Boch mit anhaltendem Druck in Märkten rechnen, die einst zu den wichtigsten Wachstumstreibern zählten. Wie stark die finanziellen Auswirkungen ausfallen, hängt davon ab, wie schnell sich die Lage im Golf stabilisiert und ob die Lieferwege wiederhergestellt werden können.






