Streit um Riester-Reform: Sind 1,5 Prozent Gebühren zu hoch für die Altersvorsorge?
Amelie KrausGünstigere Rente gefordert: 100.000 Menschen unterzeichnen Petition - Streit um Riester-Reform: Sind 1,5 Prozent Gebühren zu hoch für die Altersvorsorge?
Pläne zur Reform der staatlich geförderten Altersvorsorge sorgen für Streit über Gebührenhöhe
Ein geplanter Reformvorschlag für das deutsche, staatlich bezuschusste Altersvorsorgemodell hat eine Debatte über die Höhe der Gebühren entfacht. Der aktuelle Gesetzentwurf sieht vor, dass jährliche Kosten von bis zu 1,5 Prozent erhoben werden dürfen – doch für die meisten potenziellen Nutzer ist das inakzeptabel. Mittlerweile unterstützen über 100.000 Menschen eine Petition, die strengere Obergrenzen fordert.
Die Bundesregierung will das bestehende Riester-Rente-System durch ein einfacheres und effizienteres Modell ersetzen. Zu den zentralen Neuerungen gehören ein Standardprodukt mit einer Gebührenobergrenze von 1,5 Prozent, eine höhere Grundförderung sowie bessere Renditechancen durch risikoangepasste Anlagen. Zudem soll der Wechsel zwischen Anbietern erleichtert werden.
Kritiker halten die geplante Gebührenobergrenze jedoch für zu hoch. Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip, bezeichnet die 1,5-Prozent-Grenze als überzogen. Seine Organisation fordert in der Petition eine strikte Deckelung bei 0,5 Prozent und verweist auf die langfristigen Kostenfolgen für Sparer.
Eine Umfrage zeigt, dass 78 Prozent der potenziellen Nutzer niedrige Gebühren für wichtig oder sehr wichtig erachten, um am neuen System teilzunehmen. Nur 23 Prozent würden die 1,5-Prozent-Grenze akzeptieren, während 30 Prozent eine Obergrenze von 0,5 Prozent befürworten und 28 Prozent maximal 1 Prozent für vertretbar halten. Berechnungen von Finanztip verdeutlichen die Unterschiede: Wer 40 Jahre lang monatlich 200 Euro bei 0,5 Prozent Gebühren anspart, kommt auf 338.000 Euro – bei 1,5 Prozent schrumpft der Betrag auf 263.000 Euro.
Ob die Reform gelingt, könnte maßgeblich von Anpassungen bei den Gebühren abhängen, denn für die meisten Interessierten steht die Bezahlbarkeit im Vordergrund. Angesichts der breiten öffentlichen Unterstützung für niedrigere Obergrenzen geraten die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung unter Druck, die 1,5-Prozent-Marke zu überdenken. Die endgültige Entscheidung wird darüber entscheiden, wie viele Bürger das neue Vorsorgemodell tatsächlich nutzen werden.