Saisonarbeiter in der Landwirtschaft: Ausbeutung trotz Lohnerhöhungen und Mindestlohn
Amelie LangSaisonarbeiter in der Landwirtschaft: Ausbeutung trotz Lohnerhöhungen und Mindestlohn
Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft müssen weiterhin harte Bedingungen ertragen – trotz jüngster Lohnerhöhungen. Zwar erhielten fest angestellte Landarbeiter über 33 Monate hinweg eine Gehaltserhöhung von zehn Prozent, doch ungelernte Saisonkräfte gehen in den ersten vier Monaten leer aus. Berichte zeigen zudem überlange Arbeitszeiten, illegale Lohnabzüge und unzumutbare Lebensumstände in der Branche auf.
2023 waren rund 243.000 Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft beschäftigt, ihre genaue Herkunft bleibt jedoch oft unklar. Viele von ihnen arbeiten unter extremen Bedingungen – etwa 70-Stunden-Wochen – und leben in beengtem Wohnraum, wie etwa einem 15 Quadratmeter großen Frachtcontainer, für den über 2.000 Euro Miete im Monat fällig werden. Bei einigen Arbeitern wurden fast 1.000 Euro illegal vom Lohn einbehalten.
Der Deutsche Bauernverband setzte sich für einen Abschlag von 20 Prozent auf den Mindestlohn für ausländische Saisonkräfte ein und fand dabei Unterstützung bei bestimmten politischen Gruppen. Gleichzeitig verlängerte die Regierung die sozialabgabenfreien Kurzzeitverträge von 70 auf 90 Tage pro Jahr. Dadurch bleiben die Arbeiter ohne angemessenen Krankenschutz oder Rentenansprüche.
Experten betonen, dass nicht alle Betriebe gegen Regeln verstoßen, doch strukturelle Probleme bestehen fort. Steigende Akkordvorgaben – wie das Ernten von 14 Kilogramm Spargel pro Stunde – erhöhen das Unfallrisiko. Gleichzeitig hat die Kontrolldichte nachgelassen: Die Zahl der Betriebsprüfungen sank von knapp 1.200 im Jahr 2020 auf nur noch 274 im Jahr 2024.
Gewerkschaften fordern eine stärkere internationale Zusammenarbeit, darunter die Aufklärung von angeworbenen Arbeitskräften im Ausland sowie den Ausbau von EU-weiten Beratungsangeboten. Auch die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU könnte eine Rolle spielen, indem sie Subventionen für Betriebe kürzt, die gegen Arbeits- oder Sicherheitsstandards verstoßen.
Doch der gesetzliche Mindestlohn bietet wenig Schutz, wenn die Überwachung fehlt. Bei rückläufigen Kontrollen und sich verschlechternden Arbeitsbedingungen bleiben Saisonarbeiter in der Landwirtschaft verwundbar. Gewerkschaften und politische Reformen könnten Abhilfe schaffen – doch die systemischen Herausforderungen der Branche bestehen weiter.






