11 June 2026, 14:01

Nadav Lapid verlässt FID Marseille nach Boykott-Druck und Protesten

Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard verteidigen den israelischen Regisseur Nadav Lapid: 'Der kulturelle Boykott ist ein intellektuelles Versagen'

Nadav Lapid verlässt FID Marseille nach Boykott-Druck und Protesten

Der israelische Regisseur Nadav Lapid hat seine Teilnahme am internationalen Filmfestival FID Marseille abgesagt. Diese Entscheidung folgt wachsendem Druck und einer Boykottkampagne gegen seine Rolle als Jurymitglied. Lapid, ein entschiedener Kritiker der Regierung unter Benjamin Netanyahu, lebt seit 2021 in selbstgewähltem Exil in Frankreich.

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Die Kontroverse begann mit Lapids Einladung in die Festivaljury. Daraufhin zogen rund zehn Filmemacher ihre Beiträge aus dem Programm zurück. Um weitere Störungen zu vermeiden, erklärte Lapid schließlich seinen Rücktritt – wenn auch mit sichtbarem Frust über die eskalierenden Forderungen.

Über 350 Branchenvertreter, darunter Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard, unterzeichneten einen offenen Brief, in dem sie den Boykott scharf verurteilten. Darin heißt es, Lapids Ausschluss von einem französischen Festival müsse als Warnsignal für die gesamte Kulturszene verstanden werden. Ein zweiter Appell in der Le Monde mit dem Titel „Das Kino ist keine Botschaft“ hinterfragte, wie Lapid – der israelische Politik öffentlich kritisiert – plötzlich als Repräsentant des Staates behandelt werden könne.

Lapids jüngster Film „Yes“ wurde von Variety als „scharfe Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus“ beschrieben. Trotz seiner klaren Haltung hielt der Boykott an – und führte schließlich zu seinem Rückzug.

Lapids Abgang vom Festival unterstreicht die wachsende Spaltung in der Debatte um kulturelle Boykotte. Die offenen Briefe in der Le Monde und die Filmrückzüge zeigen, wie besorgt viele in der Branche sind. Im Kern geht es um die Frage, ob Künstler, die ihre Regierungen kritisieren, kollektiv bestraft werden dürfen.

Quelle