Marathon-Theater feiert Comeback: Warum Zuschauer wieder stundenlang im Saal sitzen
Amelie KrausMarathon-Theater feiert Comeback: Warum Zuschauer wieder stundenlang im Saal sitzen
Deutsche Theater kehren zu Marathon-Aufführungen zurück – nach Jahren mit kürzeren Stücken
Nach Jahren mit kompakteren Inszenierungen setzen deutsche Bühnen wieder auf ausufernde, immersive Theaterproduktionen. Der Trend zu opulenten Langzeitstücken erlebt nach der Pandemie eine Renaissance. Das diesjährige Berliner Theatertreffen unterstreicht diese Wiederbelebung mit mehreren ultra-langen Aufführungen im Programm.
Lange Spielzeiten haben im deutschen Theater eine lange Tradition. Besonders das Aufkommen des Regietheaters in den 1970er- und 1980er-Jahren trieb die Grenzen aus und führte zu erweiterten Aufführungsdauern. Ein Meilenstein war etwa Robert Wilsons Einstein on the Beach, das 1976 uraufgeführt wurde und mit vier bis fünf Stunden ohne klassische Handlung das Publikum herausforderte.
Während der Pandemie dominierten dagegen kurze, pausenlose Stücke die Spielpläne. Doch nun sehnen sich die Zuschauer:innen wieder nach epischen Theatererlebnissen. Die Münchner Kammerspiele zeigen beim diesjährigen Theatertreffen Wallenstein: Ein Fest des Krieges in sieben Gängen – ein siebenstündiges Spektakel. Die Berliner Volksbühne wird bald Peer Gynt wiederbeleben, dessen erster Teil einst acht Stunden dauerte.
Das Theatertreffen selbst lädt jährlich zehn herausragende Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ein. Selbst die Tickets für die längsten Stücke sind schnell ausverkauft. Nora Hertlein-Hull, die Festivalleiterin, erlebte ihre erste ultra-lange Aufführung 2007 beim Wiener Festwochen. Zwar erfasst der Deutsche Bühnenverein keine systematischen Daten zu Spieldauern, doch der Trend ist unübersehbar: Das Marathon-Theater ist zurück in der Gunst des Publikums.
Die Rückkehr zu ausgedehnten Inszenierungen markiert einen Bruch mit den pandemiebedingten Kurzformaten. Die Zuschauer:innen füllen wieder die Säle für ganztägige, fesselnde Bühnenerlebnisse. Die Theater scheinen entschlossen, eine Tradition fortzuführen, die sich über Jahrzehnte erstreckt.






