Leóns skurriles Genarín-Fest: Wenn Trauer und Trinkgelage aufeinandertreffen
Tim VoigtLeóns skurriles Genarín-Fest: Wenn Trauer und Trinkgelage aufeinandertreffen
Jedes Jahr in León, Spanien, entfaltet sich in der Nacht zu Gründonnerstag eine skurrile Tradition. Während die Karwoche mit feierlichen und besinnlichen Prozessionen begangen wird, bricht in der Stadt ein ausgelassenes Fest namens Genarín aus. Diese ungewöhnliche Veranstaltung ehrt den tragischen Tod eines Einheimischen – und zwar mit tausenden Menschen, die auf den Straßen ungeniert feiern und trinken.
Die Tradition geht auf Genaro Blanco zurück, einen Bewohner Leóns, der in den 1920er-Jahren starb, nachdem ihn ein Müllwagen angefahren hatte, während er betrunken war. Statt zu trauern, begannen die Anwohner, sein Leben mit einer satirischen Prozession zu gedachten. Spät am Gründonnerstag, nur wenige Stunden nach den religiösen Umzügen der Stadt, versammeln sich die Menschen, um eine Figur Genaríns durch dieselben Straßen zu tragen.
Zum Zug gehört ein Fass Orujo, ein hochprozentiger Schnaps, den die Teilnehmer untereinander teilen. Einer der markantesten Momente ist La Moncha – ein Wagen, auf dem eine Frau unter flackerndem Fackelschein theatralisch aus einer riesigen Zeitung vorliest. Der bewusste Kontrast zu den vorherigen religiösen Veranstaltungen verbindet Respektlosigkeit mit Tradition.
Tausende strömen mittlerweile in Leóns Innenstadt, trinken offen aus Fässern, die durch die Menge gereicht werden. Viele bleiben die ganze Nacht wach und wechseln direkt vom Feiern zum Encuentro, einem zentralen religiösen Höhepunkt am folgenden Morgen. Die Veranstaltung ist so beliebt geworden, dass Besucher aus ganz Nordspanien anreisen und sie zu einer der belebtesten Nächte der Stadt machen.
Genarín spaltet nach wie vor die Meinungen in León: Die einen schätzen seine chaotische Energie, andere hinterfragen seinen Platz während der Karwoche. Doch seine Popularität zeigt keine Anzeichen von Nachlassen. Jahr für Jahr werden tausende Liter Alkohol getrunken, und die Straßen füllen sich mit Einheimischen und Gästen – alle halten so das ungewöhnliche Erbe Genaro Blancos lebendig.






