Kevin Kühnert verlässt SPD-Generalsekretärsposten nach zermürbenden drei Jahren
Amelie KrausDruck und Gremien-Horror: Ehemaliger SPD-Generalsekretär Kühnert blickt kritisch zurück - Kevin Kühnert verlässt SPD-Generalsekretärsposten nach zermürbenden drei Jahren
Kevin Kühnert ist nach fast drei Jahren im Amt als SPD-Generalsekretär zurückgetreten. Seine Zeit unter der Koalition von Bundeskanzler Olaf Scholz beschrieb er als unerbittlich – ein Gefühl, "wie eine Flipperkugel in der Maschine der Ereignisse" zu sein. Die Anforderungen der Spitzenpolitik, gab er zu, hätten ihn während seiner Amtszeit persönlich stark belastet.
Offiziell verließ Kühnert das Amt im Oktober 2024. Sein Rückzug folgte auf eine Phase, in der er sich ständig unter Druck gesetzt fühlte, zu jedem Thema Stellung zu nehmen – unabhängig von seiner eigentlichen Fachkenntnis. Das Tempo der Berliner Politikszene zehrte an seinen Kräften, besonders während der hektischen Sitzungswochen des Bundestags, wenn sein Terminkalender schneller voll war, als er die Wirkung seines Handelns überhaupt einschätzen konnte.
Der ehemalige Generalsekretär sprach offen über die Belastungen des Amtes. Parteisitzungen am Montag nannte er einst "reines Grauen" – ein Zeichen für die Härte der internen Debatten. Trotz der Herausforderungen gab es während der Amtszeit der Scholz-Regierung jedoch keine grundlegenden Änderungen an der Rolle selbst; stattdessen rückte der Zusammenbruch der Koalition Ende 2024 in den Fokus.
Seit seinem Rücktritt hat Kühnert neue Aufgaben übernommen. Er arbeitet nun mit Finanzwende, einer Initiative für gerechtere Finanzmärkte, und ist Mitglied einer Kommission zur Rentenreform beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Beide Positionen entsprechen seinem langjährigen Interesse an Wirtschafts- und Sozialpolitik.
Kühnerts Abgang markiert das Ende einer fordernden Phase in der SPD-Führung. Sein Wechsel in die Advocacy-Arbeit deutet auf einen Shift von der Parteipolitik hin zu breiterer politischer Einflussnahme. Die SPD hingegen verfolgt unter der aktuellen Generalsekretärin Klüssendorf weiterhin ihre Bundesreformagenda – trotz jüngster Wahlniederlagen.