Handwerksverband ZDK reformiert Satzung – Streit mit Innungen eskaliert weiter
Amelie KrausHandwerksverband ZDK reformiert Satzung – Streit mit Innungen eskaliert weiter
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDK) hat tiefgreifende Reformen seiner Satzung durchgesetzt, mit denen mehr Transparenz und klarere Strukturen geschaffen werden sollen. Die Änderungen erfolgen zu einem Zeitpunkt, an dem die Spannungen mit dem Zentralverband der Deutschen Handwerksinnungen (ZVK) einen Höhepunkt erreichen – rechtliche Auseinandersetzungen und finanzielle Streitigkeiten haben sich im vergangenen Jahr zugespitzt.
Die neuen Regeln, die im Januar verabschiedet wurden, sehen unter anderem eine pauschale Jahresgebühr von 100 Euro für jeden eingetragenen Betrieb vor, die direkt an die ZDK-Zentrale in Bonn zu entrichten ist.
Die Reformen stellen einen deutlichen Bruch mit bisherigen Gepflogenheiten dar. Eine zentrale Neuerung schafft das System gemeinsamer Personalvertreter in den Gremien ab und schreibt eine strikte Trennung zwischen dem ZDK und den regionalen Innungen vor. Der Verband betont, dass dies Interessenkonflikte verhindern und die Entscheidungsfindung verbessern werde.
Im Oktober 2025 hatte der ZVK 95 Prozent der ZDK-Mitgliedsbeiträge gefordert – ein Schritt, den der ZDK als "bewusst herbeigeführtes Szenario" bezeichnete, um eine Spaltung zu erzwingen. Der Streit veranlasste 127 Landesinnungen, bei der ZDK-Zentrale Beschwerde über die Gebührenregelungen einzureichen. Zwar hat ein separates Rechtsverfahren um Kfz-Prüfgebühren inzwischen an Fahrt verloren, doch der finanzielle Konflikt bleibt ungelöst.
Um den Einfluss des ZVK einzudämmen, bietet der ZDK Betrieben nun die Möglichkeit, sich direkt der Bonner Zentrale anzuschließen. Damit soll verhindert werden, dass Innungen isoliert werden, falls sie den ZVK verlassen. Zudem plant der Verband, in betroffenen Regionen vermehrt Aufklärungsarbeit zu leisten und lokale Unternehmen über mögliche Folgen eines Austritts zu informieren.
Personalentscheidungen liegen künftig in der Hand der Mitgliederversammlung des ZDK und werden nicht mehr einseitig getroffen. Der Verband begründet diese Änderungen damit, dass sie notwendig seien, um die aktuellen Branchenrealitäten widerzuspiegeln und interne Machtkämpfe zu reduzieren.
Mit der Umstrukturierung führt der ZDK eine feste Jahresgebühr von 100 Euro für Betriebe ein und verschärft die Kontrolle über die Verbandsführung. Angesichts der noch laufenden Rechtsstreitigkeiten und der weiterhin umstrittenen finanziellen Forderungen des ZVK signalisieren die Reformen einen entschlossenen Versuch, die Zukunft des Verbandes neu zu gestalten. Unternehmen in den betroffenen Gebieten werden in Kürze ausführlich über die Auswirkungen der Veränderungen informiert.