23 May 2026, 18:01

Gleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsenden Antifeminismus und Hassgewalt in Deutschland

"Ich bin ein einsamer Krieger"

Gleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsenden Antifeminismus und Hassgewalt in Deutschland

Gleichstellungsbeauftragte in Deutschland sehen sich einer wachsenden Feindseligkeit ausgesetzt, während antifeministische Bewegungen an Einfluss gewinnen. Berichte dokumentieren Vandalismus, Budgetkürzungen und direkte Drohungen gegen diejenigen, die sich für die Durchsetzung gleicher Rechte einsetzen. Das Problem ist mittlerweile so weit verbreitet, dass viele Beauftragte ihre Arbeit als „unter Beschuss“ beschreiben.

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Doch es bleibt nicht bei verbalen Angriffen. Körperliche Übergriffe, finanzielle Engpässe und organisierter Widerstand erschweren es Gleichstellungsinitiativen zunehmend, ihre Arbeit zu leisten. Selbst öffentliche Symbole der Solidarität, wie bunt gestrichene Bänke, werden zur Zielscheibe von Vandalen.

Die leuchtend orangen Bänke, Teil der UN-Kampagne Orange the World gegen geschlechtsspezifische Gewalt, sind bundesweit in zahlreichen Städten aufgestellt worden. Statt jedoch Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen, werden sie immer häufiger angegriffen. In Osnabrück, Wiesbaden und Annweiler wurden die Bänke beschädigt oder mit Parolen beschmiert – nur einige von vielen gemeldeten Vorfällen.

Doch die Gleichstellungsbeauftragten haben mit mehr als Sachbeschädigung zu kämpfen. Eine Mitarbeiterin in Baden-Württemberg berichtete, dass rechtsextreme Aktivisten nach einem öffentlichen Statement zu Frauenrechten vor ihrer Haustür aufgetaucht seien. Andere melden drastische Kürzungen ihrer Budgets, wodurch Programme schlichtweg nicht mehr finanziert werden können. Allein im Jahr 2024 verzeichnete die Meldestelle Antifeminismus 558 Vorfälle – im Schnitt zehn pro Woche.

Das Ausmaß der Bedrohung wurde auf dem BAG-Kongress in Lübeck deutlich, wo die Teilnehmer:innen unter dem Motto Kurs halten in antifeministischen Gewässern zusammenkamen. Im Mittelpunkt standen Strategien des Widerstands, denn 63 Prozent der befragten Gleichstellungsbeauftragten gaben an, bereits antifeministische Angriffe erlebt zu haben. Bei 40 Prozent von ihnen häuften sich die Vorfälle innerhalb von nur zwei Jahren.

Was einst eine randständige Strömung war, hat sich mittlerweile zu einer organisierten politischen Kraft entwickelt: Der Antifeminismus. Seine Anhänger:innen bekämpfen aktiv Frauen- und Queerrechte, richten sich dabei sowohl gegen politische Maßnahmen als auch gegen diejenigen, die für deren Umsetzung verantwortlich sind. Gleichstellungsbeauftragte bewegen sich zunehmend in einem Klima, in dem ihre Arbeit nicht nur infrage gestellt, sondern mitunter auch gefährlich wird.

Die Zunahme der Angriffe macht es vielen Beauftragten schwer, ihre Aufgaben wahrzunehmen. Durch Budgetkürzungen und offene Feindseligkeit ist die Zukunft von Programmen gegen Diskriminierung bedroht. Ohne stärkere Unterstützung bleibt ihre Handlungsfähigkeit prekär.

Öffentliche Symbole wie die orangen Bänke werden weiterhin beschmiert, während die Beauftragten wachsende Sorgen um ihre persönliche Sicherheit äußern. Die Zahlen deuten auf eine besorgniserregende Entwicklung hin – mit keinem Ende in Sicht.

Quelle