Flaggenstreit 1926: Wie Hindenburgs Dekret die Weimarer Republik spaltete
Amelie KrausFlaggenstreit 1926: Wie Hindenburgs Dekret die Weimarer Republik spaltete
Ein langjähriger Streit um die deutsche Nationalflagge erreichte im Mai 1926 einen Wendepunkt. Reichspräsident Paul von Hindenburg erließ ein neues Dekret, um die Spannungen zu entschärfen – doch es vertiefte die Gräben nur weiter. Der Schritt folgte auf jahrelange gescheiterte Versuche, die Frage in der Weimarer Republik beizulegen.
Der Konflikt spiegelte ähnliche Auseinandersetzungen in anderen Ländern wider, von der langsamen Einführung der Trikolore in Frankreich bis zu den hitzigen Flaggendebatten in Kanada Jahrzehnte später. Im Mittelpunkt des Streits standen zwei konkurrierende Symbole: die schwarz-rot-goldene Flagge der Weimarer Republik und die schwarz-weiß-rote des ehemaligen Deutschen Kaiserreichs. Anhänger der kaiserlichen Farben, oft aus dem rechten politischen Spektrum, drängten auf deren Wiedereinführung. Republikaner und linksgerichtete Gruppen hingegen verteidigten die neue Nationalflagge als demokratisches Symbol.
Am 5. Mai 1926 unterzeichnete Hindenburg die Zweite Flaggenverordnung. Das Dekret schrieb vor, dass deutsche Botschaften und Konsulate außerhalb Europas beide Flaggen hissen mussten – die republikanische Trikolore und die kaiserliche Handelsflagge. Die Entscheidung folgte einem Vorschlag von Reichskanzler Hans Luther, einem parteilosen Politiker, der damit dem Druck der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) nachgab.
Hindenburgs Schritt war kalkuliert. Indem er die Rechte in die Offensive drängte, wollte er die politische Linke und die Mitte zu uneingeschränkter Unterstützung für Schwarz-Rot-Gold bewegen. Doch der Streit schwelte weiter – ungelöst bis 1933. Ähnliche Konflikte um nationale Symbole entzündeten sich auch anderswo, von Protesten gegen Kanadas Ahornblatt-Flagge in den 1960er-Jahren bis zu den anhaltenden Debatten im Vereinigten Königreich über das Georgskreuz.
Die Verordnung von 1926 trug kaum zur Beilegung des Flaggenstreits bei. Stattdessen offenkundigte sie die tiefen Spaltungen innerhalb der Weimarer Gesellschaft. Die Frage blieb bis in die NS-Zeit hinein ungelöst – ein Beweis dafür, wie zündend nationale Symbole in einer zerrissenen Nation sein können.






