26 April 2026, 22:01

Ex-Ministerpräsident fordert radikalen Kurswechsel im Umgang mit der AfD

Eine Karte von Deutschland aus dem 19. Jahrhundert, die die politischen Grenzen des Landes zeigt, gedruckt auf Papier mit Text über und über.

Ex-Ministerpräsident fordert radikalen Kurswechsel im Umgang mit der AfD

Peter Müller, ehemaliger Ministerpräsident des Saarlandes und früherer Richter am Bundesverfassungsgericht, hat eine Kehrtwende in der Art und Weise gefordert, wie die etablierten Parteien mit der rechtsextremen Alternative für Deutschland (AfD) umgehen. In einer aktuellen Kolumne für die Süddeutsche Zeitung argumentierte er, dass die bisherigen Strategien – etwa der Ausschluss der Partei aus Debatten oder Forderungen nach einem Verbot – deren wachsenden Einfluss nicht eindämmen könnten.

Stattdessen rief Müller die Politiker der demokratischen Mitte dazu auf, sich den tatsächlichen Sorgen der Wähler zu widmen, anstatt die AfD weiterhin in parlamentarischen Prozessen zu isolieren.

Müller kritisierte die anhaltende Debatte über ein mögliches AfD-Verbot und warnte, dass ein solches Verbotsverfahren nach hinten losgehen könnte. Solche Schritte, so seine Argumentation, ermöglichten es der Partei, sich als Opfer zu inszenieren, während der Erfolg eines Verbots keineswegs garantiert sei. Er verwies dabei auf jüngste Versuche in Rheinland-Pfalz, wo Abgeordnete versucht hatten, die Hürden für Untersuchungsausschüsse anzuheben – eine Taktik, die er als kontraproduktiv ansieht.

Der frühere Richter stellte fest, dass die sogenannte "Brandmauer" gegen die AfD in der Praxis bereits bröckle. Er verwies auf Fälle, in denen andere Parteien gemeinsam mit der AfD abgestimmt hätten, was belege, dass eine strikte Ausgrenzung nicht mehr realistisch sei. Gleichzeitig betonte er, dass gezielte Koalitionen oder eine Zusammenarbeit mit der sich radikalisierenden AfD weiterhin tabu bleiben müssten.

Müller zog Parallelen zu jüngsten politischen Entwicklungen in Europa. Während rechtspopulistische Figuren wie Viktor Orbán in Ungarn und Geert Wilders in den Niederlanden Rückschläge erlitten hätten, gewinne die AfD weiterhin an Boden. Er verwies darauf, dass erfolgreiche Kampagnen – etwa in den Niederlanden und Ungarn – sich auf die alltäglichen Nöte der Bürger konzentriert hätten, eine Strategie, die deutsche Parteien seiner Meinung nach übernehmen sollten.

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Gleichzeitig warnte Müller davor, richtige politische Positionen allein deshalb zu vermeiden, weil die AfD sie unterstütze. Er argumentierte, dass Parteien nicht zulassen dürften, dass die Angst vor einer inhaltlichen Nähe zum rechten Rand sie davon abhalte, berechtigte öffentliche Anliegen anzugehen.

Müllers Vorschläge stellen einen Bruch mit der bisherigen Linie dar, die AfD zu isolieren. Er besteht darauf, dass weder das Ignorieren des Aufstiegs der Partei noch der Rückgriff auf juristische Mittel das Problem lösen werde. Sein Appell, sich direkter mit den Anliegen der Wähler auseinanderzusetzen, spiegelt die Überzeugung wider, dass sich die etablierte Politik anpassen muss – oder riskiert, weitere Verluste an den rechten Rand zu erleiden.

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