Ex-Jobcenter-Mitarbeiter klagt nach ZDF-Kritik gegen fristlose Entlassung
Tim VoigtEx-Jobcenter-Mitarbeiter klagt nach ZDF-Kritik gegen fristlose Entlassung
Ein ehemaliger Mitarbeiter des Bremer Jobcenters klagt gegen seine fristlose Entlassung. Fred Göcken, der dort über zwei Jahrzehnte tätig war, trat in einem ZDF-Dokumentarfilm auf und kritisierte das System scharf. Seine Vorwürfe wegen weitverbreiteten Betrugs und struktureller Versäumnisse haben nun einen Streit mit der Stadtverwaltung ausgelöst.
In dem ZDF-Bericht äußerte sich Göcken offen und bezeichnete die Jobcenter als einen sich selbst erhaltenden Kreislauf. Er argumentierte, dass Arbeitsuchende oft in endlosen Umschulungsmaßnahmen feststecken, statt eine dauerhafte Beschäftigung zu finden. Zudem behauptete er, dass 30 bis 40 Prozent der Kunden falsche Angaben machen, um im System zu bleiben.
Seine Aussagen führten zu seiner sofortigen Kündigung. Göcken hatte jahrelang eine administrative Position inne, bevor der Dokumentarfilm ausgestrahlt wurde. Nun plant er, gegen die Stadt zu klagen und wirft ihr eine ungerechte Behandlung vor.
Bremens Senatorin für Arbeit, Claudia Schilling, wies seine Vorwürfe entschieden zurück. Sie nannte die Betrugsschätzungen haltlos und warnte davor, von Einzelfällen zu verallgemeinern. Schilling räumte ein, dass die Eingliederung in den Arbeitsmarkt schwierig sei, betonte jedoch die Notwendigkeit langfristiger Lösungen.
Göcken bleibt bei seinen Aussagen und beharrt darauf, dass die Auszahlung von Geldern – und nicht die Vermittlung in Arbeit – zur Hauptaufgabe der Behörde geworden sei. Der Konflikt zeigt die Spannungen zwischen Mitarbeitenden vor Ort und der Politik bei der Verwaltung von Sozialleistungen auf.
Der Rechtsstreit wird klären, ob Göckens Entlassung gerechtfertigt war. Seine Behauptungen über systemische Mängel werden von offiziellen Stellen weiterhin bestritten, die weitverbreiteten Betrug zurückweisen. Der Fall könnte eine genauere Prüfung der Arbeitsweise der Jobcenter und ihrer Unterstützung für Kundinnen und Kunden erzwingen.






