Buchhandlungspreis 2024 abgesagt: Streit um "Deutschland verrecke" eskaliert
Ella Huber"Deutschland, verrecke" - Bremener Buchhandlung in der Kritik - Buchhandlungspreis 2024 abgesagt: Streit um "Deutschland verrecke" eskaliert
Ein Streit um die umstrittene Fassadengestaltung einer Buchhandlung hat zur Absage des Deutschen Buchhandlungspreises in diesem Jahr geführt. Die Bremer Buchhandlung Golden Shop, eine von drei Läden, die von der Shortlist ausgeschlossen wurden, zeigt Parolen wie "Deutschland verrecke bitte" – ein Zitat aus einem Lied der Punkband Slime. Die Entscheidung von Kulturminister Wolfram Weimer, den Laden auszuschließen, hat eine hitzige Debatte über künstlerische Freiheit und staatliche Förderung entfacht.
Der Konflikt begann, als Weimer Golden Shop und zwei weitere Buchhandlungen von der engere Auswahl für den Preis strich. Er berief sich auf "verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse" und argumentierte, dass mit Steuergeldern finanzierte Auszeichnungen "nicht an Staatsfeinde" gehen dürften. Sein Eingreifen löste Forderungen nach seinem Rücktritt aus, da die ursprüngliche Auswahl von einer unabhängigen Jury getroffen worden war.
Die Fassade der Buchhandlung ist Teil eines Kunstprojekts und zeigt ein Collage aus Zitaten aus Literatur, Musik und Film. Die Anwältin Lea Voigt verteidigte die umstrittene Zeile und verwies auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1996. Das Gericht hatte den Songtext als geschützte Form künstlerischen Ausdrucks anerkannt, der auf Heinrich Heines Gedicht "Die schlesischen Weber" von 1844 zurückgeht. Voigt kritisierte zudem die Empörung als Zeichen für "beunruhigende Lücken im Kanon von Hoch- und Popkultur".
Angesichts der wachsenden Kontroverse sagte Weimer die für den 19. März im Rahmen der Leipziger Buchmesse geplante Preisverleihung ab. Die Entscheidung wirft Fragen über die Zukunft des Preises auf, da Veranstalter und Beteiligte die Kriterien für kulturelle Anerkennung neu bewerten.
Die Absage folgt auf wochenlange Auseinandersetzungen über Meinungsfreiheit und staatliche Aufsicht. Der Fall Golden Shop zeigt die Spannungen zwischen künstlerischer Provokation und öffentlicher Förderung. Vorerst bleibt der Preis ausgesetzt – ein neuer Termin steht nicht in Aussicht.