Anna Netrebkos umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper löst Jubel und Proteste aus
Ella HuberAnna Netrebkos umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper löst Jubel und Proteste aus
An der Berliner Staatsoper feierte am Freitagabend eine Neuinszenierung von Un ballo in maschera Premiere – mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle. Die Aufführung erntete sowohl begeisterten Applaus des Publikums als auch Proteste vor dem Opernhaus. Rund 50 Demonstranten versammelten sich mit ukrainischen Fahnen und äußerten ihre Kritik an den angeblichen Verbindungen der Sängerin zur russischen Führung.
Die fast dreistündige Oper, inszeniert von Rafael R. Villalobos, bezog in bestimmten Szenen Themen der queeren Ballroom-Kultur und der AIDS-Krise ein. Netrebko, die die Rolle der Amelia verkörperte, erhielt gemeinsam mit den Musikern und dem Ensemble starken Beifall. Ihr Auftritt markierte eine Rückkehr auf die Berliner Bühne nach Jahren der Kontroversen.
Draußen skandierten die Protestierenden Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Die Demonstration richtete sich gegen Netrebkos frühere Verbindungen, darunter eine Geburtstagsfeier im Moskauer Kreml und ihre damalige Unterstützung für Präsident Wladimir Putin. Die Sopranistin, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, ist seit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 nicht mehr nach Russland zurückgekehrt.
Elisabeth Sobotka, Intendantin der Staatsoper, verwies darauf, dass sich Netrebko öffentlich von der russischen Regierung distanziert habe. Dieser Schritt folgte massiver Kritik im Jahr 2022, die zu Absagen ihrer Auftritte im Westen geführt hatte. Bis 2026 hatte sich die Ablehnung jedoch abgemildert, wobei der Fokus nun stärker auf ihrer künstlerischen Rückkehr als auf politischen Verstrickungen lag.
Die Premiere verlief trotz der Proteste vor dem Haus ohne größere Störungen. Die Reaktion auf Netrebko spiegelte eine Mischung aus nachwirkender Kontroverse und neu erwachter Wertschätzung für ihr Gesangstalent wider. Die Produktion bleibt Teil des Weihnachtsprogramms der Staatsoper; weitere Vorstellungen sind geplant.






